Mein Kulinarischer Happy Place

 

Lohninger in Frankfurt am Main


Das Restaurant Lohninger in Frankfurt bietet österreichische Küche aber auch "die Welt". Mein Erfahrungsbericht vom Menü, Service und dem besten Kaiserschmarrn im Land.


Es ist kurz nach 18 Uhr, draußen drücken 30 Grad auf Frankfurt am Main. Die Terrasse des Lohninger sieht verlockend aus, aber nach fünf Minuten in der Abendsonne wäre das Wiener Schnitzel das einzige, was noch knusprig bleibt – wir sicher nicht. Also rein in den klimatisierten Gastraum, und schon beim ersten Schritt merke ich: richtige Entscheidung.

Heute Abend bin ich mit zwei Freunden hier, Felix und Mario. Wir kennen uns seit über zehn Jahren und die Frage über die wir oft nachdenken und diskutieren, wo man wirklich gut essen kann (dabei muss es KEIN Sterne Rastaurant sein-einfach mit Leidenschaft und Handwerk kochen, ganz egal ob es ein Salat, Burger, Pasta oder mehrgängiges Menü ist). Letztes Jahr hat uns diese Diskussion bis nach Barcelona ins Disfrutar getragen – ein Restaurant, das mit seinen drei Michelin-Sternen und der avantgardistischen Küche von Oriol Castro, Eduard Xatruch und Mateu Casañas zu den besten der Welt zählt. Heute geht es bodenständiger zu, aber nicht weniger gut: Ins Lohninger in Frankfurt am Main.


Warum das Lohninger mehr als ein österreichisches Restaurant ist

Mario Lohninger führt sein Restaurant seit über zehn Jahren, und man merkt das an jeder Ecke. Nicht weil alles perfekt durchgestylt wäre – im Gegenteil. Die Einrichtung ist dezent, fast zurückhaltend. Kein Instagram-Interieur, keine aufgeblasene Designsprache. Stattdessen: Holz, warme Farben, Tische mit genug Abstand, dass man sich unterhalten kann, ohne den Nachbartisch mitzuversorgen.

Die Speisekarte erzählt von Österreich, aber sie bleibt nicht dort stehen. M.Lohninger hat unter anderem in New York gekocht, bevor er nach Frankfurt kam, und das schmeckt man. Ein leichter asiatischer Touch zieht sich durch viele Gerichte, ohne je aufdringlich zu werden. Das ist keine Fusionsküche im schlechten Sinne – es ist eher so, als hätte jemand die österreichische Klassik einmal um die Welt geschickt und geschaut, was sie unterwegs aufschnappt.


Das Menü: Sommertauglich und ohne einen schwachen Gang

Felix und Ich entscheiden uns für das angebotene Menü und ein Glas Weißwein. Mario entscheidet sich nach einem kurzen Blick in die Karte für die Chitarra (da kommt der Italiener raus) und das Wiener Schnitzel, dazu ein Bier. Das Brot kommt mit einer Butter, die so schmeckt, als hätte sie noch nie einen Kühlschrank von innen gesehen – weich, leicht salzig, mit einem Hauch von etwas, das ich nicht genau benennen kann.

Der Gruß aus der Küche macht klar, wohin die Reise geht: leicht, frisch, nichts, was bei 30 Grad Außentemperatur im Magen liegt wie ein Ziegelstein. Das zieht sich durch alle Gänge. Ich versuche während des Essens, einen Favoriten zu finden, aber es gelingt mir nicht. Nicht weil alles gleich gut wäre, sondern weil jeder Gang genau das tut, was er soll: auf den vorherigen aufbauen, Lust auf den nächsten machen, und dabei nie in die Falle tappen, mehr sein zu wollen als nötig.

Die Portionen sind so bemessen, dass man am Ende satt ist, aber nicht erschlagen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ich kenne genug Restaurants, die ihre Menüs so gestalten, als wollten sie beweisen, wie viel Essen sie auf einen Teller bekommen können.


Der Kaiserschmarrn: Unser kulinarischer Endgegner

Nach dem Dessert – das allein schon gereicht hätte – schauen wir uns an. Ich meinte in die Runde, den Kaiserschmarrn könnten wir uns noch "gönnen". Mario, der zum ersten Mal hier ist, nickt-wenn er gewusst hätte was da kommt!

Der Kaiserschmarrn im Lohninger ist kein Dessert. Er ist eine Warnung. Eine köstliche, fluffige, mit Puderzucker bestäubte Warnung, dass Augen manchmal größer sind als Mägen. Er kommt in der Pfanne, goldbraun, und er sieht harmlos aus. Ist er nicht.

Nach drei Gabeln kapituliert Mario. Nach fünf Felix und ich-wir müssen die Waffen/Gabeln strecken. Wir lassen einen Rest auf der Pfanne liegen, was mir körperlich wehtut, aber es geht nicht anders. Das Menü fordert seinen Tribut.


Der Service: Professionell, herzlich und ohne Theater

Ich komme seit ein paar Jahren regelmäßig ins Lohninger, und mit der Zeit hat sich eine Art Vertrautheit entwickelt. Das Team kennt mich, ich kenne das Team. Das könnte schnell ins Kumpelhafte kippen oder – schlimmer – ins Übertrieben-Aufmerksame. Beides passiert hier nicht.

Der Service ist professionell, aber nicht steif. Herzlich, aber nicht aufdringlich. Die Mitarbeiter gehen proaktiv auf Gäste zu, ohne dabei das Gefühl zu vermitteln, man würde beobachtet. Das ist eine Gratwanderung, die viele Restaurants nicht hinbekommen.

Was mir wieder an diesem Abend besonders auffällt, ist die positive Energie im Restaurant bzw. von gesamten Team. Das klingt esoterisch, ich weiß. Aber es gibt Restaurants, in denen man spürt, dass die Leute gerne hier arbeiten – und es gibt solche, in denen man spürt, dass sie lieber woanders wären. Das Lohninger gehört eindeutig zur ersten Kategorie.


Der Abschluss: Mario Lohninger persönlich

Der Abend zieht sich länger als geplant. Wir reden, trinken noch ein Glas, reden weiter. Irgendwann kommt Mario Lohninger selbst an unseren Tisch. Kein inszenierter Auftritt, kein „Der Chef möchte sich kurz vorstellen" – einfach ein kurzer Plausch, ein paar Worte zum Essen, zwei, drei Fotos mit dem Team inkl. Herrn Mario Lohninger.

Das ist es, was Restaurants wie das Lohninger von anderen unterscheidet. Nicht die Sterne, nicht die Auszeichnungen, nicht die Speisekarte. Sondern das Gefühl, dass hier Menschen kochen, die das, was sie tun, tatsächlich mögen.

PS: Der nächste Abend im Lohninger ist schon geplant und steht im Kalender. 

!Und ja, ich werde wieder den Kaiserschmarrn bestellen-mal schauen wer dieses mal gewinnt!


Angekommen im Lohninger in Frankfurt
Das Menü hat 6 Gänge (+Gruß aus der Küche) und los geht es

Der Gruß aus der Küche










Da war er...unser Endgegner. Ein Traum der Kaiserschmarrn

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